Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Transplantation, Transfusion und Genetik (Austrotransplant) zur COVID-19 Impfung bei Organtransplantierten

Die Österreichische Gesellschaft für Transplantation, Transfusion und Genetik unterstützt die
Impfung für COVID-19 bei Empfängern von soliden Organen sowie bei Patienten, die für eine
Transplantation in Österreich gelistet sind.

Obwohl Organempfänger nicht in klinischen Studien zur COVID-19 Impfung eingeschlossen
wurden, lassen die Erfahrungswerte mit anderen Totimpfstoffen den Schluss zu, dass auch mit
dem COVID-19 mRNA-Impfstoffen diese Patientengruppe geimpft werden kann. Man würde
aus Erfahrungen mit anderen Impfungen bei Patienten mit Immunsuppression davon
ausgehen, dass eventuell eine reduzierte Protektion zu erwarten ist. Zur Zeit gibt es keine
Daten, die unterschiedliche Auswirkungen der verschiedenen COVID-19 Vakzine auf die
Transmission des Virus oder indirekter Protektion rückschließen lassen. Damit müssen auch
nach der Impfung weiterhin alle Vorsichtsmaßnahmen (Mund- und Nasenschutz, Hände
waschen, Abstand einhalten) weiter befolgt werden. Daher empfiehlt die Gesellschaft, wenn
keine anderen Kontraindikationen vorliegen, jedes der derzeit in der Europäischen Union
zugelassenen Vakzine (Stand 09-Jan-2021: Biontec/Pfizer; Moderna; beides sind mRNAbasierte
Impfstoffe). Hinsichtlich der selten auftretenden anaphylaktoiden Reaktionen dieser
Impfstoffe verweisen wir auf die Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für
Allergologie und Immunologie (www.oegai.org). Man würde aus Erfahrungen mit anderen
Impfungen bei Patienten mit Immunusppression davon ausgehen, dass eventuell eine
reduzierte Protektion zu erwarten ist.

Basis für die Empfehlung von RNA-basierten Impfstoffen sind folgende Überlegungen:
Immunsupprimierte Patienten sollen aus Sicherheitsgründen mit einem Impfstoff, der kein
replikationsfähiges Virus enthält, geimpft werden. Die auf viraler mRNA basierenden
Impfstoffe (BioNTech/Pfizer, Moderna) sollten deshalb für einen Immunsupprimierten kein
Problem darstellen, sie enthalten oder produzieren kein replikationsfähiges Virus. Es ist zu
erwarten, dass das Spektrum an Nebenwirkungen der mRNA-basierten Impfstoffe bei
immunsupprimierten Patienten nicht anders sein wird als bei Immungesunden. Allerdings
liegen dazu derzeit bei Organtransplantierten noch keine gesicherten Daten vor.

Bisher haben die mRNA-basierten Impfstoffe in der Normalbevölkerung eine robuste
Impfantwort gezeigt. Unklar ist weiterhin, wie gut die Wirksamkeit der Impfstoffe bei
immunsupprimierten Patienten sein wird. Aufgrund der starken Immunschwächung in der
frühen Phase nach Transplantation empfehlen die meisten Transplantationszentren ihren
Patienten eine erste Influenzaimpfung frühestens 2 Monate nach Transplantation (im
Durchschnitt 3-6 Monate) beziehungsweise mit Beginn der Erhaltungsdosis (Wiedermann et
al). Eine frühe Impfung (innerhalb der ersten 6 Monate) nach Organtransplantation scheint
möglich, der Zeitpunkt sollte jedoch im Detail mit dem jeweiligen Transplantationszentrum
abgeklärt werden. Es gilt auch zu berücksichtigen, dass neben der Immunsuppression
Risikofaktoren wie in der Normalbevölkerung (Alter, Komorbiditäten) für einen zusätzlichen
ungünstigen Krankheitsverlauf einer COVID-19-Infektion sorgen. Laut einer rezenten
Publikation ist das Risiko im ersten Jahr nach der Transplantation an COVID-19 zu versterben
höher als weiter an der Dialyse zu verbleiben (Hilbrandts et al, Nephrol Dial Transplant 2020).

Weiters wurde ein höheres Risiko zu versterben oder Notwendigkeit einer mechanischen
Beatmung bei Empfängern von soliden Organen gezeigt (Nair V et al, Am J Transplant 2020).

Aus dem oben gesagten würde zu favorisieren sein, Personen bereits auf der Warteliste für
ein solides Organ zu impfen, wenn keine Kontraindikationen vorliegen. Während bei Personen
mit normaler Nierenfunktion auf einer Warteliste für ein solides Organ keine
Impfeinschränkungen bestehen dürften, ist bei Patienten mit weit fortgeschrittener
Niereninsuffizienz auf einer Warteliste bekannt, dass eine Impfantwort (z.B. bei Hepatitis B)
stark abgeschwächt ist. Daten hinsichtlich der Wirksamkeit einer COVID-19 Impfung, was das
Impfansprechen betrifft, sind derzeit noch nicht vorhanden, obwohl Dialysepatienten als
Risikogruppe in die Impfempfehlung des österreichischen Nationalen Impfkomitees
einbezogen wurden. Es würde daher Sinn machen dem Impferfolg zu kontrollieren, indem
man einen Monat nach der Impfung entweder neutralisierende Antikörper oder die
Rezeptorbindungsdomäne (RBD)/S1- spezifischen Antikörper bestimmt. Zusätzlich soll eine
Datenerfassung im nationalen Register für Patienten nach Nierentransplantation und
Patienten an der Dialyse (OEDTR = Österreichisches Dialyse- und Transplantationsregister)
hinsichtlich auftretender COVID-19 Infektionen vor und nach Transplantation (mit und ohne
Impfung) erfolgen.

Zusammengefasst stellt sich die Situation in Österreich wie folgt dar: Die österreichischen
Empfehlungen des nationalen Impfkomitees (Version 2.1, 26.12.2020) haben
Organtransplantierte (und auch dialysepflichtige Patienten) mit hoher Priorität zu COVID-19
Impfungen gelistet. Chronische Nieren- und Lebererkrankungen, Herzinsuffizienz, chronisch
obstruktive Lungenkrankheiten und weitere Erkrankungen wurden ebenfalls in der
Priorisierung der COVID-19-Impfempfehlung berücksichtigt. Ebenso wird das Personal in
medizinischen Einrichtungen im Bereiche der Transplantationsmedizin als Kategorie I
angesehen und ist daher auch prioritär zu impfen. Aufgrund der derzeitigen
Zulassungssituation und der robusten Impfantwort in den vorliegenden Zulassungsstudien ist
es die Meinung der Gesellschaft mRNA-basierte Impfstoffe (Biontec/Pfizer oder Moderna)
bevorzugt zu verwenden. Andere derzeit noch nicht zugelassene Impfstoffe (wie z.B. solche
die einen viralen Vektor benutzen (Totimpfstoffe, u.a. von Astra Zeneca und
Johnson&Johnson) könnten eine Alternative darstellen, insbesondere vor dem Hintergrund
einer reduzierten Verfügbarkeit der mRNA-Impfstoffe und im Einsatz bei Patienten auf
Wartelisten. Aus derzeitiger Sicht empfiehlt die Gesellschaft eine Messung der Impfantwort
mittels Nachweis entweder neutralisierende Antikörper oder der Rezeptorbindungsdomäne
(RBD)/S1- spezifischen Antikörper. Zusätzlich müssen auch nach der Impfung weiterhin alle
Vorsichtsmaßnahmen (Mund- und Nasenschutz, Hände waschen, Abstand einhalten) weiter
befolgt werden.

Die Empfehlung der Österreich in Gesellschaft werden auf regelmäßiger Basis überprüft und
sobald neue Erkenntnisse vorhanden sind, entsprechend erneuert (Stand 10-JAN-2021).

Weitere Informationen:
Österreichisches Gesundheitsministerium:
https://www.sozialministerium.at/Corona-Schutzimpfung/Corona-Schutzimpfung—Fachinformationen.html

Britische Transplantationsgesellschaft:
https://bts.org.uk/wp-content/uploads/2021/01/6th-January-2021-BTS-position-statement-vaccination-in-solid-organ-transplant-recipients-FINAL2-1.pdf

Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie zhu
anaphylaktoiden Reaktionen im rahmen der COVID-19mRNA-Impfungen:
http://www.oegai.org/oegai/index.php?id=431

Wiedermann U et al: Impfungen bei Immundefekten/Immunsuppression –
Expertenstatement und Empfehlungen. Wien Klin Wochenschr (2016) 128 [Suppl 4]:S337–
S376 DOI 10.1007/s00508-016-1033-6

Hilbrandts LB et al: COVID-19-related mortality in kidney transplant and dialysis patients:
results of the ERACODA collaboration. Nephrol Dial Transplant. 2020 Nov 1;35(11):1973-1983.
doi: 10.1093/ndt/gfaa261.

Nair V et al: An early experience on the effect of solid organ transplant status on hospitalized
COVID-19 patients. Am J Transplant 2020 Dec 16. doi 10.1111/ajt.16460